„Es ist der allgemeine Abfall, der sich in der Kirche immer mehr ausbreitet“

Quelle: Distrikt Deutschland

Predigt am 26. März 1977 in Ecône zur Erteilung niederer Weihen

Nach den Entscheidungen, die diejenigen getroffen haben, welche heute die Kirche regieren, könnte man sich fragen, ob es wirklich noch angebracht ist, den Kandidaten, die sich gestellt haben, diese Weihen zum Ostiarier, zum Lektor, zum Exorzisten und zum Akoluthen zu erteilen. Tatsächlich wurde ein Dekret erlassen, mit dem diese Weihen, ebenso wie die Weihe zum Subdiakon, abgeschafft werden und das, was diese Weihen darstellen, durch etwas ersetzt wird, was man nunmehr „Dienste” nennt – Dienste übrigens, die sich auf zwei beschränken – den des Lektors und den des Akoluthen –, die aber eventuell von den Bischöfen vermehrt werden können, wenn sie es für nützlich halten.

Es scheint uns, dass diese Änderung, die im Übrigen der gesamten Liturgiereform entspricht, kein anderes Ziel verfolgt, als einen Ökumenismus zu betreiben, der uns beträchtlich von der Wahrheit der katholischen Kirche entfernt. Denn nicht nur die niederen Weihen und auch das Subdiakonat sind von dieser Abschaffung getroffen, die diese neue Liturgie bestimmen, sondern die gesamte Liturgie und im Besonderen das heilige Messopfer, das uns durch diese ökumenische Zielsetzung an die Protestanten annähert. Und dieses Ziel wird übrigens nicht verborgen. Es wird vielmehr von den Urhebern dieser Reformen offen bejaht, und zwar so weitgehend, dass man bereits in der Praxis feststellen kann, wie viele als katholisch bezeichnete Zeremonien in Wirklichkeit einfach protestantische Zeremonien sind. Darüber hinaus aber dringt der protestantische Geist nach und nach auch schon in die Mentalität der Priester, ja selbst der Bischöfe und umso mehr der Gläubigen ein. Man muss bedenken, dass diese Reformen, dieser falsche Ökumenismus das Gegenteil eines wahren Ökumenismus sind, der in nichts anderem besteht, als mit der Gnade Gottes alles in unseren Kräften Stehende zu tun, um die Protestanten zu bekehren. Und die Protestanten selbst geben zu: „Nicht wir sind es, die sich den Katholiken nähern, die Katholiken kommen auf uns zu, die Katholiken werden protestantisch.“ Das geben sie sogar zu. Und diejenigen, die sich vom Protestantismus zum Katholizismus bekehrt haben, fragen sich, warum sie konvertiert haben, wo sie doch jetzt das wiederfinden, was sie verlassen wollten, um katholisch zu werden.

Angesichts dieser Feststellung, dieser Tatsachen, die wir unmöglich leugnen können, müssen wir trotz unseres Wunsches, der heiligen katholischen Kirche vollkommen untertan zu sein, erklären, dass das, was zurzeit in der Kirche geschieht, was praktiziert, was verwirklicht wird, nicht katholisch ist, sondern uns vom Katholizismus entfernt. Denn der Katholizismus ist eine einzige Tradition, und diese Tradition ist kodifiziert worden, ist dogmatisiert worden. Sie ist von den Konzilen, von den Päpsten, von den Kirchenlehrern, von allen, die zur lehrenden Kirche gehören, definiert worden. Und deshalb werden wir heute, wie übrigens auch bei den anderen Weihen, diese Weihen im Geist des Konzils von Trient erteilen.

Denn auf dem Konzil von Trient hat man sich die Mühe gemacht, mit dem heiligen Messopfer auch alle anderen Sakramente zu überprüfen, und zwar in tiefgründiger und bis ins Einzelne gehender Weise. Und das Konzil von Trient hat festgestellt, dass das Sakrament der Priesterweihe aus höheren und niederen Weihen besteht. Es zählt auch die vier niederen Weihen auf und hält es dann für notwendig zu erklären: „Wer da sagt, das Sakrament der Priesterweihe bestehe nicht aus den höheren und niederen Weihen, der sei ausgeschlossen.“ Was hat das zu bedeuten? Wollte das Konzil von Trient, wollten die Väter des Konzils von Trient eine Tradition der Kirche, ohne zu überlegen, endgültig festsetzen? Hätten sie jene mit dem Bann belegt, die sagen würden, die Priesterweihe bestehe nicht aus höheren und niederen Weihen, wenn ihnen das nicht notwendig erschienen wäre und eben wegen der protestantischen Irrtümer besonders angebracht? Wie soll man also nicht glauben, dass heute verneint wird, was das Konzil von Trient wollte? Es fällt schwer, es nicht zu glauben.

Und das Konzil von Trient hat nichts selbst erfunden. Das Konzil von Trient hat nichts anderes getan, als eine lange und alte Tradition der Kirche fortzusetzen und zu bestätigen. Schon im dritten Jahrhundert, im Jahr 251, zählt der hl. Papst Cornelius die verschiedenen Weihen auf: die Weihe zum Priester, zum Diakon, zum Subdiakon, zum Akoluthen, zum Exorzisten, zum Lektor und zum Ostiarier. Er zählt sie auf und nennt die Zahl derer, die in seiner Diözese, der Diözese von Rom, geweiht werden. Man kann mit Recht annehmen, dass der hl. Papst Cornelius nicht der Erste war, der diese Weihen erteilte und zwischen diesen niederen und höheren Weihen unterschieden hat. Schon im Jahr 251! Man kann annehmen, dass diese Weihen mindestens schon einige Jahrzehnte, wenn nicht vielleicht ein Jahrhundert vorher existierten, denn sie waren in der Diözese Rom schon sehr zahlreich. Und so kommt man bei diesen Weihen schon fast in die Zeit der Apostel. Könnte man nicht sogar annehmen, dass schon die Apostel selbst noch vor dem Ende ihres Lebens diese erste Tradition zu einem gewissen Grad ihren Nachfolgern weitergegeben haben? Das sagt übrigens auch das Konzil von Trient. „Ab initio ecclesiae“, sagt es, „vom Beginn der Kirche an bestand das Sakrament der Priesterweihe aus höheren und niederen Weihen.“ Was bedeutet das: „vom Beginn der Kirche an“? Die Kirche hat mit den Aposteln begonnen. Sollen wir also einer so heiligen Tradition der Kirche, die fast zweitausend Jahre alt ist, untreu werden, sie vernichten, um uns den Protestanten anzunähern, um eben das zu tun, was das Konzil von Trient geglaubt hat, verurteilen zu sollen? Wie können wir etwas derartiges hinnehmen? Wir müssen leider feststellen, dass alle diese Entscheidungen, die im Übrigen zahlreich sind – es gibt ja nicht nur diese eine –, nicht vom Heiligen Geist eingegeben sein können.

Wir werden auch von der ökumenischen Bibel sprechen müssen, die zu einer Bibel geworden ist, die nicht mehr die vom Heiligen Geist inspirierte ist. Es ist nicht möglich, die Bibel zu zensurieren, um aus ihr eine Bibel zu machen, die von Protestanten und von Katholiken angenommen wird. So etwas kann nicht vom Heiligen Geist inspiriert sein. Und nicht nur die Bibel, auch die Katechismen! Können die Katechismen, die weder mit dem Katechismus des Konzils von Trient übereinstimmen noch mit dem Katechismus des hl. Pius X. noch mit dem Katechismus des Kardinals Gasparri, vom Heiligen Geist inspiriert sein? Das ist nicht möglich!

Das alles sind Feststellungen von Tatsachen. Wir suchen nicht nach diesen Dingen. Wir sind von ihnen erschüttert, leidvoll gequält, weil wir fühlen, dass dadurch unser Glaube schwindet. Es ist der allgemeine Abfall, der sich in der Kirche immer mehr ausbreitet. Der allgemeine Abfall! Und es kann gar nicht anders sein. Es ist in dem Maß die logische Folge, als man den katholischen Glauben aufgibt, um so zum protestantischen Glauben zu gelangen. Was wir hier vor uns haben, ist nicht mehr katholisch, ist kein Katholizismus mehr, ist nicht mehr die wahre Religion, nicht mehr das, was Unser Herr gelehrt hat, und es bringt uns nicht mehr die Gnade, es bringt uns nicht mehr das göttliche Leben. Deshalb sehen wir auch, wie sich diese Sterilität überall ausbreitet.