Maria-Namen-Feier 2022 in Wien

15. September 2022
Quelle: Distrikt Österreich

Fünfherrenamt, Marienprozession und Weihe Österreichs 

Am Sonntag, den 11. September 2022, also am Vortag des eigentlichen Festtages Maria Namen, welches in Wien in der überlieferten Liturgie als Hochfest gefeiert wird, wurde die Hauptstadt Österreichs wieder zum Schauplatz eines großen Glaubenszeugnisses vieler treuer Katholiken. 

In der Wiener Minoritenkirche, der italienischen Nationalkirche Maria Schnee, die seit einigen Monaten im Besitz der Priesterbruderschaft St. Pius X. und Mittelpunkt ihres Apostolates in der Hauptstadt ist, wurde die Feier des Hochfestes Maria Namen durch ein feierliches Fünfherrenamt nach den überlieferten liturgischen Gebräuchen der Erzdiözese Wien, sowie durch eine anschließende große Marienprozession durch die Wiener Innenstadt, die Erneuerung der Weihe Österreichs an die Immakulata und den sakamentalen Segen mit aller Würde und in großer Dankbarkeit begangen. 

Der österreichische Distriktobere der Priesterbruderschaft, P. Stefan Frey, beleuchtete in seiner Predigt den Festinhalt und die große Geschichte des einzigartigen Eingreifens des Himmels auf die Fürsprache Mariens im Jahr 1683. Er betonte, dass dieser glorreiche Sieg unserer himmlischen Königin zum Schutz unseres Volkes in einer Zeit der größten Gefahr niemals in Vergessenheit geraten darf.

In einer Zeit der höchsten Bedrohung ganz Europas und der größten Gefahr für das abendländische Christentum, angesichts des übermächtigen osmanischen Heeres, welches ganz Europa in Angst und Schrecken versetzte und in einer Lage, die völlig aussichtslos schien, wusste das damalige Oberhaupt der Christenheit, wo die Rettung zu suchen ist. Der selige Papst Innozenz XI. rief die gesamte Christenheit zu einem Gebetssturm auf: In Rom wurde in allen Kirchen und Klöstern der Rosenkranz gebetet und an unzähligen anderen Orten in Europa sollten Bittprozessionen abgehalten werden. Die Antwort des Himmels auf die Gebete der Bevölkerung ließ nicht lange auf sich warten: Pater Marco d’Aviano wurde zum päpstlichen Legaten des christlichen Heeres ernannt, er war Freund und Berater des Kaisers und ein glühender Verehrer der Gottesmutter, dem der Ruf der Heiligkeit vorauseilte, er sollte zu einer Schlüsselfigur in dieser Situation werden.  Pater Marco war nicht nur ein kluger Stratege, sondern vor allem Seelsorger. Er bereitete die Soldaten in einer übernatürlichen Weise auf die Schlacht vor, rief sie zu Reue und Buße auf, aber auch zum Vertrauen, zu Mut und Tapferkeit. Am Morgen vor der Schlacht feierte er das heilige Meßopfer und bestärkte die Streiter durch seine Predigt. Auf seinen Wunsch hin wurde die gesamte Armee des Kaisers, des polnischen Königs und des bayrischen Kurfürsten unter das Banner der Gottesmutter gestellt. Unmittelbar danach begann die Schlacht und P. Marco war mitten im Getümmel, stets mit dem erhobenen Kreuz in der Hand, betend und die Soldaten segnend und stärkend. Am Abend war der Sieg errungen, Wien und das ganze christliche Abendland waren gerettet.

Diese wunderbare Befreiung Wiens offenbart uns unübersehbar die Macht der Gottesmutter. Viele Jahrhunderte hindurch handelten die christlichen Herrscherhäuser aus ihrem Glauben an das universale Königtum Christi und seine hochheilige Mutter. Ihr hatten sie ihre Völker geweiht, ihr das Schicksal der Menschen anvertraut. Von dieser urkatholischen Glaubensüberzeugung haben sich heute die Völker Europas meilenweit entfernt. Zu ihrem größten Nachteil haben sie die milde Herrschaft Christi und seiner Mutter zurückgewiesen. Der daraus resultierende Schaden tritt Tag für Tag immer dramatischer ans Licht.

An uns gläubigen Katholiken liegt es, das glorreiche Beispiel unserer Vorfahren nachzuahmen. Die Not der heutigen Zeit ist vielleicht größer denn jemals zuvor, aber gerade diese Bedrohungen sollten uns drängen, voll Vertrauen zur Retterin der Christenheit zu eilen. Greifen wir zu den übernatürlichen Mitteln, beten wir treu den Rosenkranz, tun wir ernsthaft Buße, beteiligen wir uns an den öffentlichen Rosenkränzen und versuchen wir, andere dazu zu gewinnen. Auf diese Weise haben unserer Vorfahren immer den Beistand Gottes und die Hilfe Mariens erfleht und erlangt.

Unsere Prozession durch die Wiener Innenstadt, bei der die wunderschön geschmückte Marienstatue von Hunderten Menschen begleitet wurde, war ein eindrucksolles Zeugnis für unseren Glauben und unser Vertrauen in die Gottesmutter. Unzählige Menschen in den Straßen blicken erstaunt und neugierig, aber durchwegs mit Respekt auf die betenden und singenden Teilnehmer. Die 500 Informationszettel, die auf Verlangen ausgehändigt wurden, waren in der Mitte der Prozession bereits verteilt. Noch eindrucksvoller wurde das Glaubenszeugnis, als am Hohen Markt plötzlich ein Regenschauer losbrach und der restliche Prozessionsweg bei strömendem Regen zurückgelegt werden musste. Aber die Musikkapelle spielte unverdrossen weiter und man hatte den Eindruck, die Gebete wurden noch intensiver und die Gesänge noch lauter, bis schließlich alle mit großer Freude in die Minoritenkirche einzogen, wo dann die Erneuerung der Weihe Österreichs an die Gottesmutter Maria erfolgte und der sakramentale Schlußsegen erteilt wurde.

Die Regenwolken waren längst verschwunden, als sich nach dem Ende der liturgischen Feier alle unter den Arkaden und am Minoritenplatz einfanden, um sich an diesem großen Fest noch mit Speis und Trank und köstlicher italienischer Eiscreme als Nachspeise zu stärken.

Die Musik hatte die Feier zuvor ganz besonders festlich umrahmt: Zum Hochamt erklangen eine Messe des böhmischen Komponisten Adam Michna (1600-1672) und Stücke von Giovanni Pierluigi da Palestrina und Joseph Haydn, sowie das Choralproprium. Das Hussowitzer Barockensemble sowie die Choralschola unter der Leitung von P. Elias Stolz sangen zur größeren Ehre Gottes. ​ Zur Marienprozession spielte, wie seit vielen Jahren schon, in wunderbarer Weise die Musikkapelle „Original Kaiserjäger“ unter der Leitung von Prof. PhD. Mag. Werner Hackl.

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