Erzbischof Marcel Lefebvre: Wie ist doch die katholische Lehre schön!

16. Februar 2021
Quelle: Distrikt Deutschland

Unsere Frömmigkeit muss solide Grundlagen haben, so dass sich unser geistliches Leben nicht verändert, wenn sich der Sturm erhebt, wenn die Schwierigkeiten kommen. Es kann sich nicht verändern, wenn es auf endgültige, ewige Grundsätze gebaut ist, auf Wirklichkeiten, die von Gott herstammen. Wir können uns bedingungslos daran halten.

Wir müssen diesen Grundsätzen, die übrigens einfach sind, treu bleiben. Wir müssen mit unserem Herrn vereint sein und unsere Zuflucht zu den Sakramenten, die er eingesetzt hat, nehmen, um das Leben des Heiligen Geistes in uns zu haben. Wenn wir gerettet werden wollen, wenn wir die Gegenwart der Heiligen Dreifaltigkeit in uns haben wollen, müssen wir unbedingt den Weg über unseren Herrn Jesus Christus nehmen. Unser Herr selbst sagt es uns (Joh 15, 5–6). Das bedeutet in der Praxis, dass wir die heiligmachende Gnade besitzen müssen, diese Gnade, die uns durch die Taufe und durch die anderen Sakramente verliehen wird. Die Taufe ist das Tor unseres geistlichen Lebens. Und vor allem durch das heilige Messopfer ergießt sich das Leben in Überfülle in uns, weil wir durch die heilige Kommunion die Heilige Dreifaltigkeit selbst in unser Herz aufnehmen. Das ist das Leben des Heiligen Geistes, das uns unser Herr Jesus Christus mitteilt.

Und diese heiligmachende Gnade, diese Gegenwart der Heiligen Dreifaltigkeit in uns werden uns anspornen, die Gebote Gottes zu befolgen, nicht nach Art der Menschen des Alten Testaments, sondern auf vollkommenere Weise, denn sie besaßen nicht die geistlichen Hilfen, die wir jetzt durch die Gegenwart der Heiligen Dreifaltigkeit in uns und durch die Sakramente haben. Darum wiederholt unser Herr bis zum Überdruss: „Ein neues Gebot gebe ich euch: dass ihr einander liebt“ (Joh 13, 34). So entfaltet sich das geistliche Leben in uns durch das Gebet, durch die Sakramente und lässt uns Gott und unseren Nächsten lieben. Das ist die Zusammenfassung unserer Spiritualität; das ist einfach. Und das ist nicht eine Spiritualität, die sich nur für Ordensmänner, Ordensfrauen, Priester eignet. Diese Spiritualität eignet sich für jeden Christen. Wer gerettet werden will, muss mit unserem Herrn Jesus Christus verbunden sein.

Und auf der Gegenseite des geistlichen Lebens, das unser Herr uns verleihen will, und der Gegenwart der Heiligen Dreifaltigkeit in uns liegt die Welt. Unser Herr ist sich der Gefahr bewusst, welche die Welt für unser Heil darstellt. Darum warnt er uns vor dem Geist der Welt (Joh 15, 18–20). Er sagt uns, dass wir nicht mehr von der Welt sind und dass er nicht von der Welt ist. Und er warnt uns: „Ihr werdet verfolgt werden von der Welt. Die Welt hat mich gehasst, sie wird euch hassen.“

So ist der Plan Gottes nicht kompliziert. Unsere heilige Religion ist nicht schwierig, sie ist eine Religion der Liebe. Gott will uns diese Liebe, die wir durch die Sünde verloren hatten, wiederschenken – Liebe zunächst zu ihm, und wesentlich zu ihm, zur Heiligen Dreifaltigkeit, denn wir müssen unseren Nächsten um Gottes willen lieben.

Sehen Sie also in wenigen Zeilen – unser Herr fasst für uns auf wunderbare, auf großartige Weise zusammen, was wir nach seinem Willen sein sollen und was er für uns getan hat.[1]

Was für eine wunderbare und tröstliche Lehre – jene der katholischen Kirche! –, die geoffenbart wurde vom göttlichen Wort, das im Verlauf der Menschheitsgeschichte Mensch geworden ist und das sie zu endgültiger Vollständigkeit gebracht hat, als es unter uns wohnte! Die Apostel haben dieses kostbare Gut treu niedergeschrieben und überliefert, und so kam das prophetische Zeitalter zum Abschluss; dann begann das dogmatische Zeitalter, in dessen Verlauf die Kirche definierte, was zu diesem Glaubensgut gehört.

Die Kirchenväter, die Theologen haben unter der wachsamen Obsorge der Kirche dieses Gut treu erforscht, haben es ausgelegt, geordnet, gegen die Häresien verteidigt.

Der heilige Thomas glänzt unter ihnen wie ein Licht. Seine Theologische Summe ist ein Meisterwerk der Zusammenarbeit zwischen Glaube und Vernunft, um die Offenbarung auf unwiderlegbare Grundlagen zu stellen; sie zeigt zu Genüge, dass die beiden sich nur gegenseitig bestätigen können. Der Glaube bleibt jedenfalls die sicherste Quelle des Wissens über Gott und die göttlichen Dinge; er bleibt die goldene Regel der Weisheit.

Die Summa könnte man so zusammenfassen: von Gott kommen, um mit Gottes Hilfe zu Gott zurückzukehren – das ist die Bestimmung des Menschen. Wie wunderbar! Was für ein Programm! [Die Darlegung] dieses Programms auf die Weise des heiligen Thomas erfüllt uns fortwährend mit Bewunderung und versenkt uns in die Betrachtung der Geheimnisse der Weisheit, des Wissens, der Liebe Gottes und seiner Barmherzigkeit für seine menschlichen Geschöpfe.[2]

Gott möge Sie segnen. Gott möge Sie bewahren in diesen Gedanken, in dieser Kraft, in diesem Kampf gegen den Teufel und gegen all jene, die unseren Herrn aus dieser Welt verbannen möchten. Seien Sie Diener dieses Kreuzzugs unseres Herrn Jesus Christus und des Reiches der allerseligsten Jungfrau Maria.[3]

 

Anmerkungen

[1] Exerzitien für die Schwestern der Bruderschaft, Saint-Michel-en-Brenne, Weißer Sonntag 1989, 8. Vortrag.

[2] Geistlicher Wegweiser, S. 874 f. (S. 84).

[3] Predigt, Montalenghe, 22. August 1982.