Erzbischof Marcel Lefebvre: „Wir müssen auf diesem Weg mit Festigkeit weitergehen!“

13. August 2022
Quelle: Distrikt Deutschland
Erzbischof Marcel Lefebvre in Zaitzkofen

Predigt am 27. Juni 1981 in Zaitzkofen

Der Priester gleicht in gewissem Sinn der allerseligsten Jungfrau Maria. Wie die allerseligste Jungfrau Maria eine Gewalt über den Leib Jesu gehabt hat, denn sie hat Ihm Seinen Leib gegeben, so hat auch der Priester eine Gewalt über den Leib Jesu. Ziehen Sie also die Konsequenzen aus dem, was Sie werden sollen, meine lieben Freunde! Sie werden der allerseligsten Jungfrau Maria gleichen. Maria hat Jesus in ihrem Schoß empfangen und Seinen Leib gebildet. Sie werden durch das Sprechen der Wandlungsworte den Leib Jesu wieder auf die Erde herabkommen lassen. Und wenn der liebe Gott gewollt hat, dass Maria heilig sei, geheiligt, ohne Sünde, unbefleckt in ihrer Empfängnis, keusch, jungfräulich rein von jeder Sünde, von jeder Berührung mit dieser Welt, dann müssen auch Sie so sein. Ein Priester, der nicht der allerseligsten Jungfrau Maria gleicht, wäre nicht würdig, Priester zu sein. Ziehen Sie also die Konsequenzen aus dieser Nachfolge der allerseligsten Jungfrau Maria, dann wird Ihnen klar werden, zu welchem Grad der Heiligkeit Sie berufen sind. Und eben das erwarten auch die Gläubigen hier von Ihnen. Sie haben zwar fünf Jahre lang die Wissenschaft von Gott studiert, die Wissenschaft von allem, was Gott für uns getan hat, aber das würde nicht genügen, wenn zu dieser Wissenschaft nicht auch noch Ihre Heiligkeit hinzukommt. Das wollen wir heute ganz besonders für Sie erbitten.

Und wenn wir Sie heute mit dem überlieferten Ritus weihen, um aus Ihnen Priester zu machen, die das heilige Messopfer darbringen werden, wie es die Kirche zwanzig Jahrhunderte getan hat, machen wir das ganz bewusst, weil wir gezwungen sind, festzustellen, dass die neue Liturgie, die in einem ökumenischen Geist geschaffen wurde, wegen ihres Ökumenismus den Ritus des heiligen Messopfers gewissermaßen entheiligt hat. Man wollte sich so lange den Protestanten annähern, ja, fast gemeinsam mit den Protestanten das Opfer darbringen, dass man dahin gelangt ist, diesen geheiligten Charakter, diesen göttlichen, diesen für uns so notwendigen geheimnishaften Charakter der heiligen Messe, des heiligen Messopfers zu beseitigen. Gerade deshalb leiden viele Katholiken bei dem Gedanken, dass die Seelen den Glauben verlieren, dass Seelen wegen dieser Reformen, die in einem Geist durchgeführt wurden, der uns dem Protestantismus angleicht, nicht mehr den katholischen Glauben an die heilige katholische und römische Kirche und an das heilige Messopfer haben. Und eben deshalb wollen wir, weil wir für unseren eigenen Glauben fürchten, weil wir für den Glauben der anderen fürchten, an der Überlieferung festhalten. Wir sind überzeugt, der Kirche einen ungeheuren Dienst zu erweisen, einen ungeheuren Dienst! Wir suchen nicht die Spaltung, wir suchen nicht den Streit, wir suchen nicht den Kampf, wir wollen ganz einfach den katholischen Glauben bewahren. Nichts anderes verlangen wir und wir sind überzeugt, dass der liebe Gott uns segnet. Es genügt, zu sehen, wie zahlreich Sie heute hier versammelt sind. Wie ist es möglich, dass wir ein paar Jahre nach der Gründung dieses Seminars schon diese Priester weihen und eine so große Schar von Gläubigen um uns versammeln können? Der liebe Gott ist mit uns. Der liebe Gott will, dass wir in Seiner heiligen, geheimnisvollen und göttlichen Überlieferung fortfahren, um die heilige Kirche fortzusetzen. Und wir sind überzeugt, dass der liebe Gott in Seiner Vorsehung die Rückkehr der Überlieferung in der Kirche vorbereitet. Es kann nicht anders sein! So müssen wir Vertrauen haben, wir müssen beten, wir müssen auf diesem Weg mit Festigkeit weitergehen, auf diesem Weg, dem unsere Vorfahren immer gefolgt sind. Wenn man der Vergangenheit folgt, ist man auf dem rechten Weg für die Gegenwart und ebenso auf dem rechten Weg in die Zukunft. Haben wir Vertrauen in die Vorsehung Gottes! Er ist allmächtig. Wenn wir auch, menschlich gesprochen, noch nicht zu erkennen vermögen, wie alles wieder in Ordnung kommen kann, Er weiß es. Und ich bin überzeugt, dass sich die Dinge bald zum größten Wohl der Kirche und zum Heil der Seelen regeln werden.