500. Geburtstag des hl. Petrus Canisius - zweiter Apostel Deutschlands

23. März 2021
Quelle: Distrikt Deutschland

Er durfte einen Blick werfen in das geöffnete Erlöserherz

Jubiläumsjahr des hl. Petrus Canisus (1521–1594)  

2021 gedenkt die Kirche des 500. Geburtstages des hl. Petrus Canisius (1521–1597). Sein Wirkungsfeld umfasste Deutschland, Österreich und die Schweiz. Im Jahr 1864 wurde er seliggesprochen. Papst Leo XIII. bezeichnete ihn in der Enzyklia Militantis ecclesiae im Jahr 1897 als „Zweiten Apostel Deutschlands“. 1925 wurde Petrus Canisius von Papst Pius XI. in das Verzeichnis der Heiligen eingetragen und zum Kirchenlehrer erklärt.

Petrus Kanijs – der Name wird später der Zeit entsprechend latinisiert – erblickte am 8. Mai 1521 im niederländischen Nijmegen das Licht der Welt.  Als er geboren wurde, hatte der lutherische Abfall von der Kirche schon begonnen.

Canisius stu­dierte im „altgläubigen“ Köln, hatte dort enge Kontakte mit der religiös hochstehenden Kartause und schloss sich 1543, nachdem er sich in Mainz beim sel. Peter Faber SJ den Exerzitien des hl. Ignatius unterzogen hatte, als erster Bewoh­ner des Heiligen Römischen Reiches der Gesellschaft Jesu an. Diese hatte erst drei Jahre zuvor die päpstliche Bestätigung erhalten.

Nach seiner Priesterweihe im Jahre 1546 in Köln wurde Petrus Canisius als Kanzelredner berühmt und als Theologe gefragt. Im Auftrag der Kölner Geistlichkeit schritt er gegen den Kölner Erzbischof Hermann von Wied ein, der zur Reformation übergelaufen war.

Petrus Canisius war kaum sechsundzwanzig Jahre alt, als er von dem Augsburger Bischof, dem Kardinal Truchseß, als Theologe zum Konzil von Trient entsandt wurde. In Italien konnte er den hl. Ignatius persönlich kennenlernen, der ihn in das sizilianische Messina schickte. Hier entstand das erste Kolleg der Gesellschaft Jesu. Messina wurde zum Modell des sich bald ausbreitenden Netzes von Schulen und Studienanstalten der Jesuiten, die das Rückgrat der Gegenreformation bildeten.

1549 legte er in der Kirche Maria della Strada in die Hände seines heiligen Ordensvaters die feierliche Profess der vier Gelübde ab.

„Tags zuvor war es ihm in der Vatikanischen Basilika durch göttliche Erleuchtung klar zu Bewusstsein gekommen, dass er zum Apostel Deutschlands berufen sei. Als er an diesem Gnadentage am Grabe des Apostelfürsten ins Gebet versunken war, ließ ihn der Herr Jesus Christus einen Blick tun in sein geöffnetes Erlöserherz und am Quell der reinsten Liebe schöpfen. Der Selige trat in ehrfürchtigem Schauer heran und konnte den brennenden Durst seiner Seele nach Glauben, Hoffnung und Liebe in vollen Zügen stillen. Gestärkt durch diesen wunderbaren Erweis der göttlichen Güte, hegte er von da an eine innige Verehrung zum Heiligsten Herzen Jesu und unterwies auch andere in dieser überaus heilsamen Andacht. ... Daher zählt man ihn verdientermaßen zu den berühmten Vorläufern der heiligen Margareta Maria Alacoque.“ (Pius XI.)

Er erwarb den Doktor der Theologie an der Universität Bologna und lehrte an verschiedenen Hochschulen im deutschsprachigen Raum – Köln, Ingolstadt und Wien.

Die nächsten fünfunddreißig Jahre widmete er sich der Predigt, Seelsorge, aber auch der Lehre und schriftstellerischen Arbeit der Wiedergewinnung Deutschlands für den katholischen Glauben. Durch die von ihm verfassten Werke wurde er ein Lehrer des Glaubens, durch seine „Summe der katholischen Lehre“, „ein gedrängtes, kurzes Werk, ausgezeichnet durch ein glänzendes Latein und nicht unwürdig, mit dem Stile der Kirchenväter“ verglichen zu werden (Leo XIII.), und seine beiden Katechismen, der eine für den Unterricht der Kinder, der andere für höhere Schüler. „So geschah es, dass Kanisius dreihundert Jahre hindurch für den gemeinsamen Lehrer der Katholiken Deutschlands galt und ‚den Kanisius kennen‘ im Volksmund heißt: ‚die christliche Wahrheit‘ innehaben.“ (Leo XIII.)

Von 1556 bis 1569 war er erster Provinzial der Oberdeutschen Ordensprovinz der Gesell­schaft Jesu. In dieser Funktion nahm an Reichstagen und Religionsdisputationen teil. Bei katholischen Fürsten warb er für eine gute Priesterausbildung. 1580 wurde Canisius nach Freiburg in die Schweiz geschickt. Dort starb er am 21. Dezember 1597 in dem von ihm ge­gründeten Kolleg St. Michael.

„Hat doch die Gegenwart in vielen Beziehungen gewisse Ähnlichkeit mit jenem Zeitalter, in welchem Canisius lebte, als die Sucht nach Neuerungen und die um sich greifende Willkür gegenüber der Glaubenslehre einen Abfall vom Glauben und eine Verderbnis der Sitten im ungeheuren Maße hervorriefen. Als zweiter Apostel Deutschlands, als ein anderer Bonifatius, suchte er voll Besorgnis diesen zweifachen Herd des Verderbens von allen, besonders aber von der Jugend fernzuhalten, nicht nur durch zeitgemäße Predigten oder scharfsinnige Disputationen, sondern vorzüglich durch die Gründung von Schulen und die Herausgabe trefflicher Bücher.“ (Leo XIII.)