„Der Herr ist der Anteil meines Erbes ...“ - Tonsur und Niedere Weihen in Ecône

19. März 2021
Quelle: Distrikt Deutschland

Am 27. Februar 2021, dem Quatember-Samstag der Großen Fasten, spendete Weihbischof Alfonso de Galarreta im Seminar von Ecône zehn Alumnen die ersten Niederen Weihen zum Ostiarier und Lektor.

Fünf Studenten wurden durch die Zeremonie der Tonsur in den Klerikerstand aufgenommen. In seiner Predigt legte der Bischof die Riten und inhaltsvollen Texte der Liturgie aus. Am Ende der Predigt erinnerte Msgr. de Galarreta auch an den Tagesheiligen, den hl. Passionisten Gabriele dell' Addolorata (1838–1862), der den Weihekandidaten eine große Liebe zum unbefleckten und schmerzhaften Herzen Mariens vermitteln möge, die den jung verstorbenen Kleriker in kurzer Zeit zur Heiligkeit geführt habe.

Klerikale Tonsur

Die Kirche sieht in der Tonsur ein Zeichen des Verzichtes auf die Welt und des Eintritts in den besonderen Dienst Gottes.

Bei der klerikalen Tonsur schneidet der Bischof den einzelnen Kandidaten einige Haare in Kreuzesform ab, nämlich an der Stirn, am Nacken, zu beiden Seiten des Hauptes und am Scheitel, indem er einen Vers des 15. Psalms spricht, der den Seminaristen künftig sein Leben lang begleiten wird. „Dominus pars haereditatis meae et calicis mei: tu es, qui restitues haereditatem meam mihi. Der Herr ist der Anteil meines Erbes und meines Kelches: Du bist es, der mir zurückstellen wird mein Erbe.“

Der Bischof betet anschließend: „Verleihe, wir bitten Dich, allmächtiger Gott, dass diese Deine Diener, deren Haupthaar wir heute um der göttlichen Liebe willen abgeschnitten haben, in Deiner Liebe beständig verharren, und bewahre Du sie unbefleckt in Ewigkeit. Durch Christus, unsern Herrn.“ Der Prälat bekleidet die neuen Leviten anschließend mit dem weißen Chorrock und spricht: „Es bekleide dich der Herr mit dem neuen Menschen, der nach Gott geschaffen ist, in Gerechtigkeit und wahrhafter Heiligkeit.“ Am Ende der Zeremonie ermahnt der Bischof die Kleriker mit den Worten: „Ihr müsst beachten, dass ihr von heute an unter die kirchliche Gerichtsbarkeit gestellt und der geistlichen Vorrechte teilhaftig geworden seid. Seht euch also vor, dass ihr sie nicht durch eure Vergehen verlieret; und bestrebet euch, durch ehrbare Haltung und durch gute Sitten und Handlungen Gott zu gefallen!“

Ostiarier und Lektoren

Bei der Weihe zum Ostiarier, dem altkirchlichen Amt des Türhüters oder Pförtners, der das Haus Gottes hütet und bewacht, werden den Kandidaten die Kirchenschlüssel zeremoniell ausgehändigt. Der Weiheakt wird, wie die Erteilung der übrigen Weihen, mit einer Unterweisung über die Pflichten des Amtes eingeleitet und mit einem Gebet für die Geweihten abgeschlossen. Als Amtspflichten werden ihnen besonders ans Herz gelegt: Treue, Pünktlichkeit und Wachsamkeit, sowie vor allem ein erbaulicher Lebenswandel.

Der Bischof mahnt: „Handelt als solche, die Gott Rechenschaft geben müssen für das, was durch diese Schlüssel verwahrt wird.“

Die Weihe der Lektoren wird erteilt durch die Übergabe des Buches der Lesungen (gewöhnlich ein Band des Breviers oder des Messbuchs). „Nehmet hin, und seid Überlieferer des Wortes Gottes, indem ihr, wenn ihr euer Amt treu und nützlich erfüllt, teil haben werdet an dem Lohne derer, die Gottes Wort gut verwaltet haben von Anfange an.“ Dies spricht der weihende Bischof, wenn die Kandidaten mit ihrer rechten Hand das Buch berühren, das ihnen dargereicht wird. Dem Kandidaten wird, nach den Worten der Pontificale Romanum, auch die Segensvollmacht „über Brot und neue Früchte“ übermittelt.

Das internationale Priesterseminar St. Pius X. wurde 1970 von Erzbischof Marcel Lefebvre (1905–1991) in Ecône im Schweizer Wallis (zwischen Martigny und Sitten) gegründet. In der Krypta der Seminarkirche findet sich das Grabmal des Stifters der Priesterbruderschaft. Regens des Seminars ist der französische Pater Bernard de Lacoste-Lareymondie.