Das Grabtuch von Turin: Keine Malerei – aber was sonst? 

Wir haben hinreichend dargestellt, dass es sich bei der Darstellung des Körpers auf dem Turiner Grabtuch, der die Spuren von Geißelung und Kreuzigung trägt, nicht um ein Gemälde handeln kann. Durch Jahrzehnte, seit die wissenschaftliche Grabtuchforschung begann, beschäftigt die Fachleute die Frage: wenn nicht durch Malerei, wie dann? 

Zahllose Thesen zur Beantwortung dieser Fragen wurden in den Raum gestellt: Eine davon lautete: „Vom gesalbten Leichnam aufsteigende, peroxidhaltige oder vom Schweiß stammende ammoniakhaltige Dämpfe haben das mit Myrrhe- und Aloeflüssigkeit getränkte, straff aufgelegte Tuch stellenweise oxidieren lassen, also gedunkelt“. Es würde sich also nicht um einen Kontaktabdruck, sondern um eine Verfärbung des Tuches durch aufsteigende Dämpfe handeln.

Egal wie viele Experimente man durchführte, um diese Theorie zu untermauern, es gelang nie, auch nur einen annähernd ähnlichen Abdruck zu erzeugen. 
Im Pariser Louvre befindet sich die „Sammlung Gayet“ des Archäologen Albert Gayet, der in Ägypten bis zu seinem Tod im Jahr 1916 mehr als 150.000 Fragmente von Textilien aus der Antike aufgefunden hatte. In einem der Lagerräume stehen Kisten mit Totenkleidern, die bis ins erste vorchristliche Jahrhundert datiert werden können. Die Toten wurden in Leichentücher gehüllt, ähnlich dem Turiner Grabtuch, ihnen wurden dann Totenhemden übergestreift und dann wurde die Leiche eng verschnürt. Es finden sich Blutflecken und Verfärbungen infolge der Verwesung, aber es findet sich kein einziges Abbild eines menschlichen Körpers oder Gesichtes.

Das endgültige Aus für diese Theorie brachte aber der VP-8 Bildanalysator, der ein plastisches, dreidimensionales Bild des abgebildeten Körpers auf dem Turiner Grabtuch zeigte, was bei einer Verfärbung durch Dämpfe unmöglich gewesen wäre.