5. Station: Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen

Der Virus hat unsere Ruhe gestört, hat aufgerüttelt. Vertiefung des Lebens ist nötig!

Gedankenlos folgen viele dem Strom, der Werbung, den Medien und den Meinungen der Politik. Sie kopieren Idole und entlehnen deren Verhaltensmuster. Die Forderung und der Wunsch ‚Have Fun‘ sind hohl und offenbaren eine gähnende menschliche Leere.
 
Ehre, Glück, Wohlergehen, Genuss und vor allem Oberflächlichkeit schläfern ein! Heute sind viele nicht nur körperlich, sondern auch seelisch infarktgefährdet, ihr Menschenherz ist verfettet, ihre Arterien verstopft.

Gleich der Hiobsbotschaft des Arztes, der überraschend eine schwere, aber notwendige Operation ankündigt, schlägt das Leid – in diesen Tagen Corona – wie ein Blitz im Leben ein. Es zerbricht die Routine, stellt das alltägliche Tun in Frage. Einer der besten Dienste, die das Kreuz uns leistet, ist der: Es löst jeden aus der Masse heraus, tritt direkt, unausweichlich an die Einzelpersönlichkeit heran und es fordert eine Entscheidung. Zuschauen oder Anpacken!

Am Kreuzweg Jesu stehen hämische Gaffer und eine Anzahl seiner Jünger – gleich den Sensationshungrigen bei einem Unfall. Die einen drängen frech so nahe wie möglich zum Ort des Grauens, die anderen trauen sich nicht und beobachten das Geschehen tatenlos aus der Ferne.

Ein zufällig von der Feldarbeit kommender Passant wird ergriffen. Er muss dem fremden Verurteilten dabei helfen, das Werkzeug seines Todes zu tragen. Die Soldaten der römischen Besatzungsmacht zwingen ihn zu diesem Dienst und lassen ihm keine Wahl.

Die Evangelien verraten wenig über Simon von Cyrene. Er kommt von der Feldarbeit und scheint dem Geschehen und dem Herrn fremd zu sein. Wir wissen nicht, ob die beiden Männer miteinander gesprochen haben. Die Situation erforderte ein Minimum an Verständigung, schließlich trugen sie dasselbe Kreuz. Simon ist der letzte Mensch vor der Hinrichtung Christi, der, wenn auch unfreiwillig, menschlich an ihm handelte. Alle anderen sind dann seine Folterknechte.

Die Wirklichkeit des Kreuzes ändert sein Leben. Sobald er den Balken aufnimmt, in dem Moment, da er es am eigenen Leib erfährt, kommt ihm zu vollem Bewusstsein, welche schwere Bürde man dem gefolterten Delinquenten auferlegt hatte. Das Kreuz öffnet seine Augen auf den anderen hin. Auf den Menschen vor ihm und auf Gott. Er lernt und versteht, beginnt das Kreuz zu lieben. Er gibt seinem Leben einen Sinn und geht als Held und Heiliger in die Weltgeschichte ein.

Die anderen rühren das Kreuz nicht an. So sehr sie es fürchten, so wenig kennen sie es. Sie leiden unter seinem Schein, mehr als Simon unter der Realität. Sie haben ihre Wahl getroffen und das Zuschauen bevorzugt. Da sie nur die Theorie und die Angst kennen, versagen sie und bleiben namenlos.