26. April - Hl. Kletus und Marcellinus

Im gleichen Jahr mit Titus bestieg der dritte Statthalter Jesu Christi, der Römer Cletus den Heiligen Stuhl des Apostels Petrus. Seine Regierung begann in einer sehr bedrängten Zeit. Der Feuer speiende Vesuv hatte die süditalienische Städte Pompei, Herkulanum und Stabia verschüttet. Zu derselben Zeit, da diese Städte untergingen, erfuhr auch Rom schwere Heimsuchungen. Eine Feuersbrunst vernichtete das Theater des Pompejus und das Pantheon. Dazu kam noch die Pest, welche eine große Zahl von Menschen hinwegraffte.

Die christliche Religion aber machte unter dem Papst Cletus glänzende Fortschritte. Weil sie vom Kaiser keine Verfolgung zu befürchten hatten, so konnten die Christen auch die den Heiden unbekannte Nächstenliebe ausüben, die Hungernden speisen und die Kranken pflegen. Selbst hohe Beamte aus der Umgebung des Kaisers bekehrten sich zum christlichen Glauben.

Auf Geheiß des Apostelfürsten weihte Papst Cletus in Rom 25 Priester. Er bediente sich in seinen Hirtenschreiben zuerst des Ausdruckes: Gruß und apostolischen Segen.

Leider starb Kaiser Titus nach zweijähriger Regierung im einundvierzigsten Lebensjahr, wahrscheinlich an Gift, das ihm sein Bruder Domitian beigebracht hatte, um die Herrschaft der Welt zu erlangen. Domitian wurde Kaiser und vereinigte alle Laster seiner Vorgänger in seiner Person. Dass er ein heftiger Christenverfolger wurde, war abzusehen. Vorerst verlangte er für sich göttliche Ehre, ließ seine Bildnisse anbeten, ihnen opfern, und gab dafür dem Volk blutige Schauspiele, bei denen viele Menschen das Leben verloren. Sogar Frauen zwang er im Theater zu kämpfen. Da die Christen sich weigerten, die silbernen und goldenen Statuen des Kaisers anzubeten, zogen sie sich den Vorwurf zu, dass sie die Obrigkeit nicht achteten. Daher starben viele von ihnen unter den grausamsten Martern. Einer der ersten war der heilige Papst Cletus. Das gleiche Los teilten Flavius und Domitilla, welche der kaiserlichen Familie angehörten. 

Im Jahre 296 folgte der heilige Marcellinus dem heiligen Cajus in der päpstlichen Würde nach. Dieser war der Sohn eines Römers, namens Projektus und erlebte noch den schrecklichsten Teil der diokletianischen Verfolgung. Schon der erste kaiserliche Befehl zur Christenverfolgung im Jahre 303 wurde besonders in Rom durch Maximinianus Herakleius mit schonungsloser Grausamkeit ausgeführt. Doch der Papst hatte in den ruhigen Jahren den kommenden Sturm vorausgesehen. Er ließ eine große Anzahl von unterirdischen Gewölben, hauptsächlich an der Salarischen Straße in Rom auf einem ihm geschenkten Grundstück ausführen, um dort Gottesdienst halten und die Märtyrer begraben zu können. Im April des Jahres 304 ließ Kaiser Maximinianus in Rom öffentlich verkünden, dass jeder unter Androhung der Todesstrafe den heidnischen Götzen Opfer darbringen müsse. Die Christen aber blieben standhaft und gingen in großen Scharen in den Tod. Nur sehr wenige haben ihren Glauben verleugnet.

Bei der Wiederaufnahme solcher abgefallener Christen verfuhr der Papst mit aller Milde und zog sich dadurch manchen Tadel der Strengen zu. Ja, man machte ihm sogar den Vorwurf, er habe selbst den Götzen geopfert, doch selbst die größten Feinde des Papstes konnten ihm so etwas nicht beweisen. Unverzagt leitete der Papst die Kirche Jesu Christi und beschloss sein Leben wahrscheinlich am 25. Oktober des Jahres 304, nachdem er die heilige Religion nicht allein gegen die Heiden, sondern auch gegen die Irrlehrer mit unermüdlichem Eifer verteidigt hatte. Wegen des Bekenntnisses des Glaubens wurde dieser heilige Papst mit drei anderen Christen, Klaudius, Zyrinus und Antonius, enthauptet. Ihre Leiber wurden hingeworfen und mussten auf Befehl des Kaisers 36 Tage lang unbeerdigt liegen bleiben. Vom heiligen Petrus im Traume gemahnt, bestattete sie jedoch der heilige Marcellus, umgeben von Priestern und Diakonen, unter feierlichem Gesang und Lichterglanz ehrenvoll im Zömeterium der Priscilla an der Salarischen Straße.

Kirchengebet

Ewiger Hirte, schau huldvoll auf Deine Herde. Behüte und schütze sie immerfort durch Deine heiligen Märtyrer und Päpste Cletus und Marcellinus, die Du der ganzen Kirche als Hirten gewährt hast. Durch unsern Herrn.
 


Quellen:

  • Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden
  • Römisches Brevier
  • Schott, Römisches Messbuch