23. April - Hl. Georg

Zu den Zeiten, da Diocletianus und Maximianus Kaiser waren, geschah unter dem Richter Dacianus eine so große Verfolgung der Christen, dass in einem Monat siebzehntausend die Märtyrerkrone erlangten. Bei den großen Martern wurden allerdings auch viele Christen untreu und opferten den Götzen. Als das Georg sah, ward er, ins innerste Herz getroffen, von großen Schmerzen erfüllt. Er legte sein ritterliches Kleid ab, gab alles was er hatte den Armen und zog Christengewand an.

So trat er mitten unter das Volk und rief: "Alle Heidengötter sind böse Geister, unser Herr aber hat die Himmel erschaffen". Da sprach der Richter voll Zorn: "Wie magst du es wagen, unsere Götter böse Geister zu nennen? Sage, von wo bist du und wie nennst du dich?" Georg sprach zu ihm:  "Ich heiße Georg und bin von Kappadozien, aus edlem Geschlecht. Mit Christi Hilfe habe ich das Land Palästina erobert. Aber ich habe alles gelassen, damit ich Gott im Himmel desto besser möge dienen".

Da nun der Richter sah, dass er ihn nicht von seinem Glauben abbringen konnte, ließ er ihn auf die Folter spannen und seinen Leib Glied für Glied mit Nägeln zerreißen. Darnach ließ er seine Seiten mit Fackeln brennen, bis man seine Eingeweide durch die Risse des Leibes schauen konnte, und die Wunden mit Salz einreiben. In derselben Nacht erschien ihm der Herr in einem großen Licht und stärkte ihn süßlich. Von dieser Vision und von den Worten ward er also gekräftigt, dass er keine Marter meinte erlitten zu haben.

Als Dacianus sah, dass er ihn mit solchen Strafen nicht überwinden mochte, rief er einen Zauberer und sprach zu ihm: "Die Christen spotten unserer Marter mit ihren Zauberkünsten und achten unserer Götter Opfer für nichts". Da sprach der Zauberer: "Kann ich seine Künste nicht brechen, so will ich mein Haupt verlieren". Also begann er mit seinen Beschwörungen und rief zu seinen Göttern. Er mischte Gift in einen Wein, den er Georg zu trinken gab. Dieser aber machte das Kreuz über dem Becher und trank den Wein ohne allen Schaden. Da bereitete der Zauberer einen Wein, der war viel giftiger als der Vorherige. Georg machte wiederum das Kreuzeszeichen darüber und trank ihn ganz ohne allen Schaden.

Als der Zauberer das sah, fiel er ihm zu Füßen, bat weinend um Gnade und gelobte, dass er ein Christ wollte werden. Der Richter aber ließ ihn alsbald enthaupten. Des anderen Tages befahl er, dass man Georg auf ein Rad flechte, das war allenthalben mit zweischneidigen Schwertern besetzt. Aber es brach alsbald und Georg blieb unversehrt. Der Richter ergrimmte und hieß ihn in einen Kessel voll siedenden Bleies setzen. Da bekreuzigte er sich, als er darein ging und saß darin mit Gottes Hilfe wie in einem guten Bad.

Als Dacianus solches sah, wollte er ihn mit Freundlichkeit überwinden, da er ihn mit Drohen und Pein nicht mochte überkommen, und sprach zu ihm: "Georg lieber Sohn, siehe, von welcher Langmut unsere Götter sind: sie schweigen zu deinem Frevel still und sind bereit dir in Gnaden zu verzeihen, so du dich willst zu ihnen kehren. Darum komm, lieber Sohn, lasse deinen Irrglauben und opfere unseren Göttern, so wirst du von uns und ihnen große Ehre empfangen". Da lachte Georg und sprach: "Warum hast du mich dann gemartert und mich nicht mit süßen Worten überredet von Anbeginn? Aber siehe, ich will tun, was du begehrst." 

Von dem Versprechen ward Dacianus guter Dinge und ließ durch einen Herold öffentlich ausrufen, dass alles Volk zu Hauf käme und sähe, wie dieser Georg den Göttern opfere, der so lange hätte widerstanden. Da ward die ganze Stadt geschmückt und Georg trat in den Götzentempel, dass er opfere. Als nun alle gar fröhlich um ihn standen, kniete er nieder und bat Gott, dass er den Tempel mit den Bildern zerstöre zu seinem Lob und zur Bekehrung des Volkes, und nichts davon übrigbleibe. Alsbald fiel Feuer vom Himmel herab und verbrannte den Tempel mitsamt den Priestern und Götzenbildern und die Erde tat sich auf und verschlang die Trümmer.

Als aber Dacianus vernahm, was Georg hatte getan, hieß er ihn vor sich führen und sprach zu ihm: "Welches ist deine Zauberkunst, du bösester der Menschen, dass du solchen Frevel mochtest begehen?" Georg antwortete: "Glaube nicht, o König, dass dem also sei, sondern komme mit mir, so will ich zum andern Male opfern". Dacianus sprach: "Ich kenne deinen Trug, du willst mich verderben, wie du den Tempel verdorben hast und die Götter". Da entgegnete Georg: "Sage mir, Elender, wie sollen dir deine Götter helfen, die sich selbst nicht helfen können?"

Da sprach der König voll Zorn zu seinem Weibe Alexandria: "Ich will des Todes sterben, wenn dieser Mensch mich überwindet". Die Königin erwiderte ihrem Gatten: "Du grausamer Henker und Wüterich, habe ich dir nicht gar oft gesagt, du solltest den Christen nichts Böses tun, denn ihr Gott kämpft für sie? Aber wisse, ich will auch eine Christin werden." Da erschrak der König und rief: "Weh mir, so bist du auch betrogen?" Und gebot, dass man sie bei den Haaren aufhänge und hart mit Geißeln schlage.

Da sie in dem Leiden war, sprach sie zu Georg: "Du Licht der Wahrheit, sag mir, wohin werde ich kommen, da ich noch nicht wiedergeboren bin durch das Wasser der Taufe?" "Sei unverzagt, liebe Tochter,” antwortete Georg, “die Ausgießung deines Blutes wird deine Taufe sein und deine Krone". Da betete sie zum Herrn und gab ihren Geist auf.

Am andern Tage ward über Georg ein Urteil gegeben, dass er durch die ganze Stadt sollte geschleift und darnach enthauptet werden. Da betete er zum Herrn, dass alle, die seine Hilfe anrufen würden, Erhörung finden mögen und eine Stimme vom Himmel sprach: "Es geschehe, wie du begehrt hast". Als er das Gebet vollbracht hatte, ward er enthauptet.

Nun ward seine Marter erfüllt, unter Diocletianus und Maximianus, welche zur Herrschaft kamen um das Jahr 217. Als aber Dacianus von der Richtstätte heimfuhr nach seinem Palast, fiel Feuer vom Himmel herab und verzehrte ihn mitsamt seinen Knechten.

Kirchengebet

Gott, Du erfreuest uns durch die Verdienste und die Fürsprache Deines heiligen Märtyrers Georg. Verleihe gnädig, dass wir Deine Wohltaten, die wir durch ihn erbitten, als Geschenk Deiner Gnade erlangen. Durch unsern Herrn.
 


Quellen

  • Legenda aurea
  • Schott, Römisches Messbuch