21. April - Hl. Anselm

Anselm wurde zu Aosta, an der Grenze Italiens, von vornehmen katholischen Eltern, Gundulf und Hermenberga, geboren. Schon von zarter Kindheit an gab er infolge seines rastlosen Studiums der Wissenschaften und seines Strebens nach Vollkommenheit leuchtende Beweise seiner späteren Heiligkeit und Gelehrsamkeit.

Wohl ließ er sich im Drang der Jugend eine Zeit lang von den Lockungen der Welt verleiten, doch bald kehrte er wieder zu seiner ursprünglichen Lebensweise zurück, verließ Heimat und Besitz und ging in das Benediktinerkloster Bek. Hier legte er die Gelübde ab und suchte unter der Leitung des Abtes Herluin, eines großen Eiferers für die Ordenszucht, und des gelehrten Lanfrank mit Eifer und unermüdlichem Fleiß Wissenschaft und christliche Tugend sich anzueignen und machte auch solche Fortschritte, dass er von allen als ein staunenswertes Muster von Heiligkeit und Gelehrsamkeit angesehen wurde.

Seine Enthaltsamkeit und Genügsamkeit waren so groß, dass ihm infolge seines ständigen Fastens jedes Gefühl für Nahrung erstorben zu sein schien. Die Stunden des Tages widmete er den klösterlichen Übungen, dem Unterricht und der Beantwortung der mannigfachen religiösen Fragen, die an ihn gerichtet wurden. Auch in der Nacht gönnte er sich wenig Schlaf, vielmehr labte er seinen Geist unter einem ununterbrochenen Strom von Tränen in himmlischen Betrachtungen.

Als er zum Prior seines Klosters gewählt wurde, erntete er zunächst hierfür den Neid seiner Mitbrüder, gewann sie jedoch alsbald durch seine Liebe, seine Demut und Klugheit. Sie, die anfangs seine Gegner waren, wurden so zu seinen und Gottes Freunden, zum größten Segen für die klösterliche Zucht. Nach dem Tode des Abtes wurde er wider Willen zu dessen Nachfolger bestimmt. Nun verbreitete sich erst recht überall der Ruf seiner Gelehrsamkeit und Heiligkeit. Nicht nur Könige und Bischöfe verehrten ihn, sondern auch beim heiligen Papst Gregor VII. stand er in hohem Ansehen. Dieser hatte damals viel zu leiden und richtete an Anselm ein huldvolles Schreiben, in dem er sich und die ganze Kirche seinem Gebet empfahl.

Nach dem Tode des Erzbischofs Lanfrank von Canterbury, seines früheren Lehrers, wurde Anselm auf Drängen des englischen Königs Wilhelm und auf Bitten der Geistlichkeit und des Volkes wider seinen Willen zur Leitung dieser Kirche berufen. Um der Sittenverderbnis des Volkes entgegenzusteuern, suchte er zunächst durch Wort und Beispiel, dann auch durch die Herausgabe von Schriften und die Abhaltung von Synoden die ursprüngliche Frömmigkeit und kirchliche Zucht wieder herzustellen.

Bald suchte der genannte König Wilhelm mit Gewalt und unter Drohungen kirchliche Rechte an sich zu reißen, da trat ihm Anselm mit echt priesterlicher Standhaftigkeit entgegen. Ruhig nahm er die Einziehung seines Besitzes und die Verbannung auf sich.

Er ging nach Rom zu Urban II., dieser nahm ihn ehrenvoll auf.

Auf dem Konzil von Bari begründete er durch zahlreiche Schrift- und Väterstellen die Lehre vom Ausgang des Heiligen Geistes auch vom Sohne gegenüber der irrigen Auffassung der Griechen. Darob erntete er vom Papst hohes Lob. Nach dem Hinscheiden Wilhelms wurde er von dessen Bruder, dem König Heinrich, nach England zurückberufen. Dort entschlief er bald im Herrn.

Eine besondere Verehrung hegte er zeitlebens für das Leidens unseres Herrn und zu seiner heiligen, jungfräulichen Mutter. Er stand nicht nur im Ruf eines großen Wundertäters und Heiligen, sondern auch eines großen Gelehrten. Aus seinen Schriften gewinnt ein jeder den Eindruck, er habe seine Gelehrsamkeit vom Himmel erhalten zur Verteidigung des Glaubens, zum Nutzen für die Seelen, als Vorbild für alle Theologen, die in scholastischer Form die Glaubenslehre behandeln.

Kirchengebet

O Gott, Du schenktest Deinem Volke den hl. Anselm Als Vermittler ewigen Heiles. So gib, wir bitten Dich, dass wir ihn im Himmel zum Fürsprecher haben dürfen, der auf Erden uns Lehrer des Lebens war. Durch unsern Herrn.
 


Quellen:

  • Römisches Brevier
  • Schott, Römisches Messbuch