12. April - Hl. Alferius, Abt

Zu Salerno in Süditalien 930 geboren, gehörte Alferius der berühmten Familie der Pappacarbone an, welche die alten langobardischen Fürsten zu ihren Ahnen zählten. Seine sorgsame Erziehung lohnte er den Eltern mit Auszeichnung in großer Wissenschaft und echter Frömmigkeit und war am fürstlichen Hof zu Salerno geschätzt und beliebt. In den wichtigsten Staatsangelegenheiten wurde er mit Vertrauen zu Rate gezogen. Noch im Jünglingsalter stehend, wurde er schon als Gesandter mit glänzendem Gefolge zum König von Frankreich geschickt.

Auf dem Wege dahin besuchte er das Kloster St. Michael de Clusa und wurde daselbst von einer tödlichen Krankheit befallen. Dieses so plötzlich über ihn verhängte Leiden, welches in wenigen Tagen seine blühende Jugendkraft und Schönheit verzehrte, belehrte ihn mit schmerzlicher Klarheit über die klägliche Hinfälligkeit des Erdenlebens und kalter Ekel vor den hohen Komplimenten, ruhelosen Genüssen und eingebildeten Ehren der Welt durchschauerte sein edel angelegtes Herz. Angehaucht innerlich von der göttlichen Gnade, äußerlich von der heiligen Stille und ärmlichen Einfachheit des Klosters, machte er das Gelübde, dass er, sofern ihm Gott wieder die Gesundheit schenke, sich dem beschaulichen Leben im Ordensstand widmen wolle.

Die plötzliche Genesung war ihm eine sichere und aufmunternde Bürgschaft, dass Gott sein Gelübde mit Wohlgefallen aufgenommen habe. Ohne Zögern bat er den Abt Odilo, welcher gerade auf Besuch war in diesem Kloster, dass er ihn als seinen Schüler und geistlichen Sohn nach Cluny mitnehmen wolle. Odilo gewährte ihm die Bitte, nahm ihn mit sich und gab ihm nach bestandener Prüfung das Ordenskleid des hl. Benedikt. Alferius, einzig nur auf sein Seelenheil bedacht, arbeitete sich mit rastloser Rüstigkeit von Stufe zu Stufe empor in der heiligenden Gottesliebe und sittlichen Vollkommenheit.

Der Fürst von Salerno, Gisulfus I. vermisste den so tüchtigen Mann und treuen Freud sehr ungern und hörte nicht auf zu bitten, dass Alferius doch wieder heimkomme und, wie früher in den weltlichen Angelegenheiten, so jetzt in geistlichen Dingen sein Helfer sei. Cluny entließ ihn: Alferius musste die Aufsicht und Leitung der Klöster in Salerno übernehmen. Allein dieses unruhige Amt zog ihn so sehr ab von der Betrachtung der göttlichen Geheimnisse und ließ ihm so wenig Zeit übrig zum Gebet und zu den Bußübungen, dass er es bald möglichst niederlegte und forteilte auf den Berg Fenestra zwischen Salerno und Amalfi. Dort erbaute er sich in einer Schlucht gegen das Meer hin, im Metilia-Tal - das heutige Cava dei Tirreni – eine Einsiedelei, um da ganz allein nur Gott zu dienen.

Allein der Wohlgeruch seiner Tugend lockte heilsbegierige Jünglinge an, seine Einöde zu belagern und ihn mit Bitten zu nötigen, dass er ihr geistlicher Führer werde. Dem gnädigen Willen Gottes sich unterwerfend, gründete er eine neue Genossenschaft und baute das Kloster Cava samt Kirche zu Ehren der Allerheiligsten Dreieinigkeit, welches der Mittelpunkt der so berühmt gewordenen „Kongregation von Cava“ wurde. Siebzig Jahre lang leitete Alferius dieses Klosters, wirkte viele Wunder, prophezeite zukünftige Ereignisse und bildete unter seinen Söhnen mehrere Heilige. Von diesen sind berühmt der hl. Leo, der ihm in der Abtwürde nachfolgte, und der hl. Desiderius, Sohn des Grafen von Benevent, welcher unter dem Namen Viktor III. den päpstlichen Thron zierte.

Sehr berühmt machte den hl. Alferius in den ersten Jahren seiner Einsamkeit ein Wunder, dessen Gegenstand er selbst war. Eines Tages ritt er, von zwei Brüdern begleitet, hinab nach Salerno. An einer gefährlichen Stelle, wo der Weg sich über einen tiefen Abgrund hinzog, wurde er plötzlich von einer unsichtbaren Macht samt dem Pferd hinabgestürzt in die Tiefe an das Meerufer. Zitternd vor Schrecken eilten die Begleiter auf einem Umweg hinab, um die Leiche ihres teuren Vaters heimzuholen. Aber wie staunten sie! Alferius saß schon wieder auf dem Pferd und kam ihnen entgegengeritten – er hatte nicht die geringste Verletzung erhalten. Voll der Freude knieten sie nieder, um Gott zu danken für diese wunderbare Rettung und erkannten, dass der böse Feind aus Hass und Neid das herrlich aufblühende Cava seiner besten Stütze berauben wollte durch den Tod des Gründers, aber durch Gottes eingreifende Macht das Gegenteil in Kauf nehmen musste.

In späteren Jahren brachte man einen Besessenen zu ihm mit der Bitte, dass er ihn von dem schrecklichen Quälgeist befreien möchte. Alferius erklärte: „Nicht in meinem Leben, sondern erst nach meinem Tode wird er erlöst werden.“ So geschah es auch. Alle verrichteten Gebete und angewandten kirchlichen Beschwörungen blieben an dem Besessenen ohne Erfolg. Als man ihn aber nach dem Tode des Heiligen zu dessen Leiche in die Kirche führte, war er augenblicklich gesund. Aus Dankbarkeit hat er dann – denn er war ein vortrefflicher Maler – dieses Wunder seiner Befreiung in einem prachtvollen Wandgemälde der Kirche verewigt.

Unbegreiflich schnell erweiterte sich Cava und wurde die Mutter vieler anderer Klöster. Die Chronik von Cava berichtet: „Als das Kloster die herbeiströmende Menge nicht mehr fassen konnte, haben viele Fürsten den Mönchen anderwärts Häuser gebaut und Güter geschenkt. Die Päpste haben ihnen viele Klöster und Kirchen gegeben und Cava selbst hat seine Kräfte angestrengt, neue Gebäude aufzuführen, so nämlich, dass man nach kurzer Zeit im neapolitanischen und römischen Gebiet und in Sizilien 333 Klöster zählte, die alle dem Mutterhaus zu Cava untergeben waren.“

Alferius, mit dem schönsten Beispiel voranleuchtend, schärfte seinen Söhnen besonders die Lehre ein, dass sie doch auf die kleinsten Dinge, welche Gott und das Seelenheil betreffen, mit allem Fleiß Acht geben, dass sie auch die kleinste Sünde meiden möchten, weil derjenige, welcher kleine Sünden verachte, gar leicht in größere falle: dass sie auch die kleinsten guten Werke verrichten, weil nach dem Ausspruch Jesu derjenige, welcher im Kleinen treu ist, auch im Großen treu sein werde.

Sechs Tage vor seinem Tode erschien ihm Jesus und sprach: „Am Tage meines Abendmahles wirst du zu Mir kommen.“ Alferius sang an diesem Tage noch das Hochamt, wusch den Brüdern die Füße, verteilte Almosen an die Armen und erwartete, während die Brüder beim Mittagessen waren, in der Zelle allein und nüchtern die Ankunft Jesu. Betend starb er, 120 Jahre alt, am 12. April 1050. Die Brüder fanden ihn kniend und meinten lange, er bete nur, da er doch schon tot war. Die vielen Wunder an seinem Grab sind herrliche Zeugen, wie mächtig seine Fürbitte bei Gott ist.
 


Quelle:

P. Otto Bitschnau, Das Leben der Heiligen Gottes