Mitteilungsblatt Juni 2017

Vorwort des Distriktoberen

Der moderne Mensch fragt kaum nach Gott. Er will den Herrn und Schöpfer und dessen Gebote aus dem privaten und gesellschaftlichen Leben verbannt wissen. Wenn sich allerdings Unglücksfälle oder Naturkatastrophen ereignen, dann stellt er plötzlich die Frage: Warum lässt Gott dies zu? Warum verhindert er es nicht? Warum schweigt Gott?

Diese Haltung ist unglaublich anmassend. Ist es nicht eine Ungeheuerlichkeit, Gott die Schuld in die Schuhe zu schieben? Hätte Gott denn verhindern müssen, dass die Menschen Atomreaktoren bauen, damit nie eine Katastrophe passiert? Müsste Gott jedem Schiffskapitän das Whisky-Glas aus der Hand reissen, damit nie ein Luxusdampfer auf einen Eisberg fährt? Hätte der Vater im Gleichnis vom verlorenen Sohn sein Kind einsperren sollen, damit es nicht die väterliche Erbschaft verprasst und auf Abwege kommt? Der verlorene Sohn war klug genug und klagte seinen Vater nicht an, als er sich bei den Schweinen befand. Würde er im 21. Jahrhundert leben, so spräche der verlorene Sohn wohl: „Wie kann mein Vater es zulassen, dass es mir so dreckig geht!“

Die oben erwähnte Haltung ist zudem unlogisch. Nehmen wir an, Gott würde sich ständig einschalten: Wie würden die (heutigen) Menschen darauf reagieren? Wie kämen sie damit klar, dass Gott ihren freien Willen überginge? Irgendwie erfüllt Gott ja nur den Wunsch unserer Zeitgenossen, von ihm in Ruhe gelassen zu werden.

 „Warum lässt Gott das zu?“, ist ferner eine falsche Fragestellung. Einen Gott, der uns auf dem Richterstuhl Platz nehmen lässt und sich selbst auf die Anklagebank setzt, den gibt es nicht! Das Gegenteil ist der Fall. Wir werden als Angeklagte vor ihn hintreten. Wir werden unseren Mund gar nicht öffnen können, denn er wird uns fragen: „Warum hast du mich nicht geehrt? Warum hast du mir nicht gedient? Warum hast du mich nicht angerufen? Warum hast du in Unkeuschheit gelebt? Warum hast du gelogen? Warum hast du gehasst? Warum hast du gestritten?“ Dann wird uns das Wort im Halse stecken bleiben.

Nichtsdestotrotz bleibt die Frage nach dem Übel in der Welt bestehen. Wir weichen ihr nicht aus. Wir müssen sie aber richtigstellen! Sie lautet so: Wozu lässt Gott das Böse zu?

Gott lässt erstens das Böse zu, weil er auch das Böse zum Guten zu lenken weiss. Am Jüngsten Tag werden wir voll Staunen erkennen, wie alles Böse in der Welt den Plänen Gottes dienen musste. Das beste Beispiel ist der Kreuzestod Jesu. Am Karfreitag schienen Sünde und Teufel zu siegen. In Wirklichkeit aber wurde der Teufel besiegt und die Menschen von der Sünde und dem ewigen Tode erlöst.

Gott lässt zweitens Leid über uns kommen, weil er uns durch Leid zum Heile führen will. Bei allem hat Gott eine heilige Absicht, auch wenn wir diese nicht verstehen. Wie viele Leser des Mitteilungsblattes fanden (erst) zum Glauben, als grosses Leid sie in die Knie zwang? Wie viele von ihnen wurden (erst) durch Krankheit, Not oder Schwierigkeiten geläutert? Wie viele schliesslich konnten (erst) im Leiden zur Gleichförmigkeit mit Christus gelangen? Ohne Leid gäbe es keine Heiligen und keine Märtyrer. „Die Leiden dieser Zeit bedeuten nichts im Vergleich zu der künftigen Herrlichkeit, die an uns offenbar werden wird“ (Röm 8,18). Mögen uns diese Worte des hl. Paulus in den grossen Trübsalen des Lebens stets Trost spenden!

Ich fasse zusammen. Fragen wir uns nicht: Warum lässt Gott uns leiden? Fragen wir lieber: Wie können wir diese Prüfung am besten nutzen?

Vergessen wir nie diese Worte der Heiligen Schrift: „Denen, die Gott lieben, gereicht alles zum Besten“ (Röm 8,28)!

Pater Pascal Schreiber

 

​INHALTSVERZEICHNIS

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Wort des Distriktoberen

Distriktnotizen

Ihr letzter Herz-Jesu-Freitag

 

Kirchliches Leben

Einladung zur Priesterweihe

Unsere Weihekandidaten

Im Dienst des  katholischen  Priestertums

Drei neue  Novizinnen

 

Geistliches

Brief des Generaloberen

100 Jahre Fatima – Das Unbefleckte Herz Mariä in der Erscheinung vom 13. Juni 1917

Msgr. Marcel  Lefebvre – Wir müssen in der Liebe bleiben

Liturgischer Kalender